"We redefine the online marketing landscape."
Der Claim des Affiliate-Netzwerks TradeDoubler ist selbstbewusst. Müssen sich die altgedienten Platzhirsche Zanox und affilinet künftig wärmer anziehen? Wolfgang A. Schmidt, Group Sales Director bei der TradeDoubler GmbH, im Gespräch mit dem Deutsche Post LESERSERVICE über Wachstumschancen im Affiliate Marketing und die Zukunft der Partnernetzwerke.
1.) Wo haben Sie zum ersten Mal von Affiliate Marketing gehört?
Im Büro des affilinet-Gründers Douglas Miller in Ebersberg im Frühjahr 1998.
2.) Wie würden Sie den Unternehmensinhalt von TradeDoubler in einem Satz zusammenfassen?
Führendes Unternehmen in Europa für Digital Performance Marketing
3.) Seit wann arbeiten Sie für TradeDoubler und was interessierte Sie besonders an Ihrem Aufgabengebiet?
Seit dem 1. April 2008. TradeDoublers Claim ist „we redefine the online marketing landscape“. Das ist zusammen mit einem jungen und motivierten Team eine schöne und herausfordernde Aufgabe für jemanden mit meiner Erfahrung und meinem Hintergrund.
4.) In welchem Unternehmensbereich von TradeDoubler sehen Sie die größten Wachstumschancen?
TradeDoubler deckt mit seinem Portfolio die ganze Bandbreite des Performance Marketing ab. Wir wachsen in allen Segmenten. Performance Marketing ist nach Meinung aller Experten in der Online-Werbung das einzige Segment mit weiterhin exzellenten und nachhaltigen Wachstumsraten über alle Disziplinen; insbesondere im Search und Affiliate Marketing. Unsere Ergebnisse in Deutschland beweisen das. Im SEM-Bereich, den wir seit Beginn diesen Jahres durch den Erwerb der IMW Group durch TradeDoubler im Portfolio haben, wollen wir uns auch ein Stück von diesem Kuchen sichern.
5.) Im Vergleich mit Zanox (700.000) und affilinet (500.000) sind Ihre Mitgliederzahlen (130.000) niedriger (Zahlen geschätzt, Quelle: Internet). Warum sollten Advertiser mit Ihnen zusammenarbeiten?
Die Zahlen, die Sie nennen, meinen Publisher und sind bei den Netzwerken unterschiedlich definiert, d.h. sie haben unterschiedliche Bezüge. Im Falle von TradeDoubler sind „aktive Publisher“ gemeint. Aktive Publisher sind nach unserer Definition solche Publisher, die im Laufe einer bestimmten Periode - bei uns ist das ein Monat - wenigstens eine Transaktion, also 1 View, 1 Klick, 1 Lead oder 1 Sale generiert haben. Leider können sich die Netzwerke trotz Arbeitskreis Affiliate Marketing im BVDW immer noch nicht auf eine einheitliche Währung einigen.
Im Übrigen: Woran die Größe eines Affiliate Netzwerkes festgemacht wird, ist ja nicht allgemein verbindlich definiert. Jedes Netzwerk nennt „seine Zahlen“ nach dem Motto „Viel ist gut“. Eine einheitliche „Währung“, welche die Netzwerke vergleichbar macht, gibt es trotz verschiedentlicher Bemühungen leider nicht. Wie vorher schon gesagt, hat auch der BVDW hier bisher nichts bewirken können. Inzwischen sollten eigentlich alle gelernt haben, dass die aus meiner Sicht leidige, insbesondere von Advertisern und Agenturen häufig gestellte Frage zur „Größe“ eines Netzwerkes für den Erfolg eines Partnerprogramms keineswegs alleine entscheidend ist.
Sehr entscheidend ist vielmehr die Attraktivität des Angebots (der Marktpositon) d.h. der Website (also die Marke/Inhalt), Anzahl und Art der angebotenen Werbemittel, Cookielaufzeit, SEM Policy, Bereitstellung von Produktdaten und insbesondere natürlich die Wettbewerbsfähigkeit des Vergütungskonzepts inklusive Sonderkonditionenregelung für die Publisher. Sprich: Was kann der Publisher verdienen, wenn er sich wie engagiert?
Im Affiliate Marketing gilt das Pareto-Prinzip: 80% des Umsatzes kommen von 20% der Publisher. Das ist in Deutschland gelernt ebenso wie die Tatsache, dass die „funktionierenden Publisher“ in jedem Segment im Gegensatz zu vor rund 5 Jahren leichter identifizierbar und ansprechbar sind. Welche Strategie ein Netzwerk oder auch der Advertiser selbst für den Kanal Affiliate Marketing und den viel zitierten „Long Tail“ dann ableitet, das ist aus meiner Sicht eine der spannendsten Fragen in den nächsten zwei Jahren. Ich denke, die Advertiser, die sich für TradeDoubler entscheiden, tun dies, weil TradeDoubler ihnen hohe Transparenz, sicheres, zuverlässiges Tracking, größte europäische Reichweite und ein professionelles Client Services Team zur Verfügung stellen kann.
6.) Und Affiliates? Was hebt TradeDoubler ab – welchen Vorteil haben Affiliates bei Ihnen?
TradeDoubler bietet Partnerprogramme einer Reihe namhafter Brands (beispielsweise DELL und Apples iTunes) in Europa exklusiv an. Unsere Client Service- und Publisher Sales/Support-Einheiten unterstützen die Publisher nach besten Kräften bei der Auswahl der richtigen Programme und helfen auch gerne weiter, wenn es darum geht, bei Advertisern zu vermitteln.
7.) Die Affiliate-Netzwerke mit ihrem aktuellen Angebot und Leistungen sind in der Diskussion: Große Advertiser ziehen verstärkt den direkten Kontakt vor. Wie sehen Sie die Zukunft der Partnernetzwerke?
Ja, das stimmt. Die Frage ist, was sie im Einzelnen damit bezwecken. Die Partnernetzwerke werden, wenn sie keine Mehrwerte bieten können, zumindest von einem Teil der erfahrenen Advertiser und Agenturen reduziert werden auf Anbieter technischer Plattformen. Der Markt wird erwachsen und das hat auch Folgen - für alle, die in dem Becken schwimmen.
8.) Werden sich die Netzwerke verändern (müssen)?
Ohne Zweifel, sie werden sich verändern oder der neuen Situation, die durch die Learnings auf Advertiser- und Publisher-Seite entsteht, anpassen müssen. TradeDoubler ist dafür exzellent aufgestellt und vorbereitet. Wir sind auch Technologie-Anbieter.
9.) Bietet TradeDoubler Partnerprogramme zu Zeitschriften? Wie sehen Sie den Zeitschriftenvertrieb über Affiliate-Programme?
Ja, unsere Plattform wird von Abodiensten erfolgreich genutzt. Ich sehe weiterhin gutes Potenzial für Abodienste. Publisher lieben insbesondere Modelle mit „Positiv-Optionen“. Das sind Abomodelle, bei denen sich das Abonnement nicht automatisch verlängert. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass das Internet hervorragend für den Vertrieb von Zeitschriften geeignet ist und bleibt.
10.) Welchen Bereich im Affiliate Marketing sehen Sie als zukunftsträchtig an?
Das ist im Prinzip einfach zu beantworten; man muss dazu nicht die Sterne deuten. Alle Angebote, die im Web erfolgreich sind, eignen sich auch für Affiliate Marketing. Das war von Beginn an so und wird meines Erachtens auch so bleiben. Was im Netz an sich nicht funktioniert, wird auch trotz und wegen Affiliate Marketing nicht zum Knaller.
11.) Welchen Branchentreff rund ums Online-Marketing würden Sie Neueinsteigern empfehlen? Welchen Profis?
Da sehe ich keine Unterschiede. Wissen muss wie Kontakte da abgeholt werden, wo es verfügbar ist. Publishern würde ich empfehlen, Foren zu nutzen, aber mehr noch möglichst viele Möglichkeiten wahrzunehmen, sich mit Kollegen, Advertisern und Netzwerken persönlich auszutauschen. Die Szene ist viel offener als noch vor Jahren. Ich denke beispielsweise an den Publisher Meeting Point auf der dmex Köln (früher: auf der OMD) oder die regionalen Stammtische, die sich teilweise zu sehr attraktiven Branchen-Events entwickelt haben, wie beispielsweise die Affiliate Tactixx am Münchner Flughafen.
12.) Was war Ihr denkwürdigstes Ereignis in Ihrem „Affiliate-Leben“? Woran denken Sie am liebsten oder am wenigsten gern zurück?
An den Moment, als ich mit meinen damaligen Kolleginnen und Kollegen von affilinet das erste Mal über die Kreissparkasse Ebersberg eine siebenstelllige Auszahlungssumme für die Publisher angewiesen habe. Ungern denke ich an den frühen Tod von Douglas Miller, mit dem mich viel verbunden hat und dem ich sehr dankbar bin.
13.) Was raten Sie Neueinsteigern?
Publisher punkten aus meiner Sicht in erster Linie durch Qualität, Transparenz, Seriosität und Zuverlässigkeit. Darüber hinaus sollten sie sich nur bei den Programmen bewerben, für die sie auch entsprechenden Traffic und damit Aussicht auf Conversion = Erfolg haben. Advertiser sollten sich ausgiebig mit Benchmarking für ihr geplantes Programm beschäftigen, möglichst eigene Ressourcen für Affiliate Marketing nutzen. Ich denke dabei beispielsweise daran, wichtige Entscheidungen nicht vorbehaltlos einer Agentur zu überlassen, bei der Auswahl der Netzwerke unbedingt mitzuwirken und auf Qualität und Transparenz anstatt nur auf Größe zu achten.
14.) Die klassische Lebensfrage: Haben Sie Ziele?
Ja: Gesundheit erhalten / Leben genießen.
15.) Gibt es einen Leitsatz in Ihrem Leben?
Ja, "nimm dich nicht zu wichtig."
Vielen Dank an Wolfgang Schmidt für dieses Gespräch!

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